Kantonale Bündnerinnen-Vereinigung

Die Davoser Kindergärtnerin Elsa Buol gründete im September 1919 in Rothenbrunnen im Domleschg die „Vereinigung junger Bündnerinnen“. Sie studierte damals an der Sozialen Frauenhochschule in Genf. Mit der Vereinigung wollte sie die Mädchen aus den Tälern zusammenbringen und motivieren, sich für soziale und gemeinschaftliche Anliegen einzusetzen. Leider schied Elsa Buol bereits kurz darauf, im Februar 1920, freiwillig aus dem Leben.

Die Bündnerinnen-Vereinigung entwickelte sich hervorragend. Die Vorkriegsjahre mit ihren grossen wirtschaftlichen und politischen Problemen liess die Vereinigung wachsen. Sie wurde zu einer im ganzen Kanton präsenten und überall geschätzten Institution. 1934 hatte es im Kanton 22 Sektionen mit 500 Aktiv- und 700 Passivmitgliedern sowie 69 Einzel- und ausserkantonale Mitglieder.

Die Bündnerinnen betätigten sich in vielen Bereichen. Sie waren aktiv in der Gesundheitsvorsorge (z.B. Kurse für Kleinkinderpflege, Alkoholschutz schulpflichtiger Jugend, Tuberkulose-Fürsorge), Ernährungslehre, Gründung von Kinderkrippen und Kindergärten, Gründung von Haushaltungsschulen , Förderung von Mädchen und Frauen, Organisation von Mittagstischen für arme Schulkinder, Vermittlung von Frischobst für die Bergbevölkerung, aktive Unterstützung von Beschäftigungsprogrammen für Behinderte, Betreuungsaufgaben von Bedürftigen, und vielem mehr. Während der Kriegsjahre wurde für die Soldaten genäht, gestrickt und geflickt und die Mütter bei ihren vielfältigen Aufgaben unterstützt.

Nachdem die Mitglieder der Vereinigung junger Bündnerinnen über die Jahre „reifer“ wurden und auch immer mehr ältere Frauen Aufnahme fanden, wurde der Namen 1950 in Kantonale Bündnerinnen-Vereinigung geändert.

Während der letzten Jahrzehnte war unsere Gesellschaft einem grossen Wandel unterworfen. Traditionelle Aufgabenbereiche der Bündnerinnen wurden von Gemeinden, Kanton und anderen Institutionen übernommen. Und so müssen auch die Frauen der Bündnerinnen-Vereinigung getreu nach dem Motto ihrer Gründerin „wach sein und lebendig bleiben“. Die Aufgabengebiete wurden auf die Bedürfnisse der heutigen Zeit ausgerichtet. So sind die Bündnerinnen in ihren Sektionen zwar zu einem grossen Teil immer noch gemeinnützig tätig. Andererseits werden aber auch vermehrt Kurse angeboten, Vorträge organisiert oder gemeinsame Theaterbesuche gemacht. Zudem bestimmen die Präsidentinnen der Kantonalen Bündnerinnen-Vereinigung jedes Jahr eine „kulturelle Jahresaufgabe“, welche einmal im Jahr neben der ordentlichen Delegiertenversammlung, die Frauen der verschiedenen Sektionen zusammenführt.

In den letzten Jahren wählte die Kantonale Bündnerinnen-Vereinigung die folgenden Themen für die kulturelle Jahresaufgabe:

  • 2013: Bergell kulturhistorisch (64 Frauen besuchten die Manufaktur Soglio-Produkte in Castasegna und das Dörfchen Soglio mit Wanderung)
  • 2014: Gevag (60 Frauen besuchten die Kehrrichtverbrennungsanlage gevag in Trimmis, Rahmenprogramm mit Ausflug nach Maienfeld)
  • 2015: Vals (65 Frauen besuchten eine Ortsführung in Vals und die Abfüllanlage des Valserwassers)
  • 2016: Bergbau und Bären im Val S-charl (63 Frauen besuchten das Bergbau- und Bärenmuseum in der Schmelzra, einen Vortrag über den Bergbau GR in der Jurte und S-charl)
  • 2017: Bahnmuseum und Dorf Bergün (64 Frauen besuchten das Bahnmuseum, genossen das Mittagessen im blauen Saal des Kurhauses Bergün und eine Ortsführung)
  • 2018: Engadiner Kraftwerk und Livigno (62 Frauen werden durch das Kraftwerk Ova Spin geführt und besuchen anschliessend Livigno)

Heute zählt die Kantonale Bündnerinnen-Vereinigung 211 Mitglieder in 7 Sektionen. Diese sind in Cazis, Celerina, Davos, Maienfeld, St. Moritz, Val Müstair und Zernez aktiv.

Im Jahr 2019 wird die Bündnerinnen-Vereinigung das 100-jährige Jubiläum feiern.